Eine umfangreiche Sammlung an Daten und eine verständliche Kommunikation im Team ist sowohl für Long Range Schützen wie auch für Sniper-Teams essentiell. In diesem Beitrag stellen wir einige nützliche Hilfsmittel vor und zeigen, wie diese in der Praxis angewendet werden könnten. Ob du diese nutzt oder wie du oder dein Team mit diesem Thema umgeht, ist eine ganz persönliche Sache.

Aus den Beitragsserien «Ballistik des K31» und «Final Firing Solution» hast du die notwendigen theoretischen Grundlagen für Long Range Schützen und Sniper-Teams kennengelernt. Selbstverständlich ist dieses Wissen nur die Spitze des Eisbergs und ohne das Sammeln von eigenen Erfahrungen und stetiger Weiterbildung keinen müden Rappen wert. Das gilt auch für die Ausführungen in diesem Beitrag – also raus aufs Feld und fleissig üben!

«Sniper Data Book» – eine gute Vorbereitung ist der halbe Treffer

Wenn man sich gut vorbereitet, gibt es keine Überraschungen! Das ist natürlich nicht der Fall, aber zumindest hilft eine gute Vorbereitung möglichst viele «Unbekannte» bereits im Vorfeld zu klären. So beginnt auch das Sniper-Team beim Eintreffen in der FFP (Final Firing Position), alle möglichen «Daten» zu ermitteln – dabei hilft das «Sniper Data Book».

Observation Log – wissen was läuft

In erster Linie ist eine konstante Weiterbeobachtung der Geschehnisse im Umfeld absolut zwingend. Das Führen des «Observation Log» wird für das Sniper-Team sicher zum Grundauftrag der Mission gehören und einen Grossteil der «Wartezeit» in Anspruch nehmen. Schlussendlich sollen auch während der Vorbereitung keine unliebsamen Überraschungen eintreffen. Da der Spotter sich primär um das Sammeln der Daten kümmert, obliegt die Observation während der Vorbereitungsphase in der Regel dem Schützen. Dieser sucht im Observationsraum nach «relevanten Ereignissen» die einen Einfluss auf die zu erfüllende Mission haben könnten. Aus Erfahrung ist es nicht immer einfach zu bestimmen, was denn nun wirklich «relevant» ist. So kann das grundsätzlich uninteressante neu geparkte Auto auf einmal die freie Sicht auf das Ziel verhindern, oder ein Objekt je nach Sonneneinstrahlung einen unangenehmen Blendeffekt genau während der Schussabgabe erzeugen. Zugegeben sind diese Beispiele eher konstruiert und lassen sich ohne grosse Probleme lösen – die möglichen Störeinflüsse sind jedoch sehr vielfältig.

Field Sketch und Range Card – für Orientierung und Distanzen

Während der Schütze observiert, beginnt der Spotter mit der Erfassung verschiedenster Informationen. Als erstes wird ein Geländekroki, ein sogenanntes Field Sketch, erstellt. Insbesondere markante Objekte und Wegpunkte, sogenannte Bezugspunkte, werden auf einer für das ganze Team allgemeinverständlichen Skizze eingezeichnet. In der Regel wird das gesamte Sichtfeld mittels dem Field Sketch in Sektoren und Zonen unterteilt und die eingezeichneten Bezugspunkte werden eindeutig bezeichnet. Das erleichtert später eine klare und effektive Kommunikation während der Schussabgabe.

Im Anschluss an das Field Sketch werden für die Bezugspunkte die Entfernungen (TR) gemessen und auf die Range Card übertragen. In erster Linie erfolgt die Messung durch den Spotter mittels Laserentfernungsmesser oder einer Karte. Weiter werden für jeden auf der Range Card erfassten Referenzpunkt, durch die Messung des Schusswinkels, die AHR ermittelt. Denkbar, aber in der Regel nicht gebräuchlich, wäre auch bereits jetzt die Höhenkorrektur je Ziel zu bestimmen. Wenn sich das Team nur sehr kurz in der FFP aufhält, als nur wenige Veränderungen in Bezug auf die Umwelteinflüsse zu erwarten sind, könnte dies durchaus sinnvoll sein.

Field Sketch und Range Card werden im Anschluss mit dem Schützen besprochen, abgeglichen und verifiziert.

Target Dimensions – oder wie hoch ist ein Fenster

Nachdem die Sektoren, Zonen und Bezugspunkte im Team abgeglichen sind, wird mit der Verifizierung der Distanzen aus der Range Card begonnen. Die Verifizierung durch den Schützen erfolgt mit dem Absehen im Zielfernrohr. Aus den vorgängigen Beiträgen haben wir gelernt, dass für eine zuverlässige Schätzung ein Absehen mit MIL-Skala in der ersten Bildebene klare Vorteile bietet.

Um mittels Absehen die Entfernung eines Objektes zu bestimmen sind folgende Punkte notwendig:

  • Abdeckung (Höhe oder Breite) des Objektes in der MIL-Skala
  • effektive Höhe oder Breite des Objektes

Mit diesen beiden Werten lässt sich die Entfernung (TR) zum Objekt relativ einfach mittels Formel berechnen. Noch etwas einfacher geht dies mit dem MildotMaster.

Die Abdeckung im Absehen kann abgelesen werden. Die Abmessungen des Objektes basieren in der Regel jedoch auf Erfahrungswerten oder Schätzungen. Ein «Target Dimension Log» hilft den Fundus von gewonnen Erfahrungen stetig auszubauen. In diesem werden Abmessungen von häufig zu schätzenden Referenzobjekten, wie beispielsweise Personen, Gebäudeelemente, Fahrzeuge und andere Gegenstände, protokolliert. So gewinnen die Schätzungen an Genauigkeit und das Team ermittelt bessere Resultate bezüglich der Distanzen.

D.O.P.E. Data On Previous Engagements – aus Erfahrung wissen!

Sind alle relevanten Distanzen verifiziert und in der Range Card festgehalten, wird zu jedem Referenzpunkt die Höhenkorrektur mittels der «D.O.P.E.-Card» ermittelt. Diese wiederspiegelt die zu erwartende Geschossflugbahn (Ballistik), mit welcher wir mit dem aktuellen Waffensetup bei den aktuellen Wetterbedingungen zu rechnen haben. Um diesbezüglich verlässliche Daten zu erhalten, protokolliert das Team jede Schussabgabe – egal ob Einschiessen, Training oder Ernstfall. Dies geschieht mittels folgenden Hilfstabellen und einem Ballistik-Rechner:

  • Barrel-Log
  • MVV-Log
  • Shooting Card

In der Praxis werden für diesen Teil der Arbeit natürlich entsprechende Hilfsmittel, beispielsweise ein Kestrel mit integriertem ballistischem Rechner, eingesetzt. In jedem Fall ist es jedoch sinnvoll von Zeit zu Zeit auch mal wieder in klassischer «Handarbeit» die notwendigen Berechnungen durchzuführen – denn; nur Übung macht den Meister.

Team-Kommunikation – oder sprechen wir die gleiche Sprache?

Grundsätzlich gilt folgende Weisheit: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Die Team-Kommunikation ist, insbesondere während der Schussabgabe, auf das Wesentliche zu begrenzen. Kurze knackige Ansagen sind daher Pflicht, müssen aber von allen Beteiligten unmissverständlich verstanden werden. Es gibt keinen Standard. Jedes Team entwickelt mit der Zeit eine «eigene Sprache». Um jedoch einen Eindruck zu geben wie sich die Kommunikation während der Schussabgabe anhören könnte, hier ein kurzes Beispiel.

SpotterSchütze
Zielidentifikation 
Der Spotter hat ein Ziel erkannt und teilt dies dem Schützen mit:
«Ziel – Sektor Bravo Due – ‘Kirche’ – Subjekt 50 Meter links von – blauer Pullover, rote Schuhe»
Sucht Ziel im korrekten Sektor und quittiert durch Beschreibung bis der Spotter das OK gibt:
«blauer Pullover, rote Schuhe, dunkle Haare, roter Umhang, bewegt sich gegen rechts, ….»
Entfernung 
«Ziel erkannt – Check Parallaxe und MIL»
Der Spotter misst die Abdeckung des Objektes in seiner MIL-Skala oder bestimmt mit dem Laser-Entfernungsmesser (LEM) die Distanz.
Der Schütze stellt die Parallaxeverstellung an seinem Zielfernrohr scharf, misst durch das Zielfernrohr die Abdeckung im Absehen und schätzt die Grösse des Zieles:
«2.5 MIL, Höhe 1.9 Meter»
Verifizierung
Der Spotter verifiziert das Ergebnis des Schützen, berechnet die Entfernung zum Ziel (TR) und überprüft das Resultat mit der auf der Range Card vermerkten Entfernung des Referenzpunktes ‘Kirche’ bzw. der Messung mit dem LEM. 
Korrekturangabe
Der Spotter berechnet die Korrekturangaben für die Elevation unter Berücksichtigung des Schusswinkels (AHR) sowie den aktuellen Umwelteinflüssen und teilt diese dem Schützen mit:
«Distanz 07 14 – Hoch 6 Punkt 7»
Der Schütze korrigiert mittels der Verstelltürme am Zielfernrohr (Indexed). Zugleich leitet er den Schiessvorgang durch betätigen des Abzuges bis zum Druckpunkt ein und meldet Bereitschaft an den Spotter:
«Ready»
Windkorrektur
Der Spotter prüft noch einmal den Wind und gibt ‘grünes Licht’ bei den bestmöglichen Bedingungen:
«Wind Zero»
Unmittelbar nach Ansage der Windkorrektur, löst der Schütze den Schuss aus und beide beobachten die Flugbahn und den Einschlag des Geschosses
Nachkorrektur 
Der Schütze verfehlt das Ziel und schiesst rechts vorbei da der Spotter den Spin Drift nicht korrigiert hat. Sofort korrigiert der Spotter die Ansage:
«Links Punkt Zwo»
Der Schütze korrigiert die 0.2 MIL nach links direkt über das Absehen (Hold Off) und löst umgehend den Nachschuss aus
«Superman down!»

Hold Off oder Indexed – eine reine Philosophie-Frage!?

Die Korrekturangaben vom Spotter müssen vom Schützen «auf die Waffe übertragen» werden. Dazu gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder korrigiert der Schütze mittels drehen der Verstelltürme am Zielfernrohr (Indexed) oder bewegt das Gewehr, bis das Ziel mit der entsprechenden Haltemarke im Absehen übereinstimmt (Hold Off). Was ist nun aber «besser»?

Wie immer lautet die Antwort: das kommt auf die Situation an. Bleibt genügend Zeit bis zur Schussauslösung und das Zielfernrohrsetup verfügt über genügend Spielraum im Verstellbereich, ist in der Regel die «Indexierung» zu favorisieren. Warum? Sie ist einfach zu bewerkstelligen, genau und schliesst menschliches Versagen «quasi» aus.

Wird die Zeit knapp, oder es muss ein sofortiger Nachschuss erfolgen, braucht das «Indexieren» viel zu lange und es kommt nur noch die Korrektur mittels Absehen in Frage. Auch der Wind bläst in der Regel nicht statisch aus der gleichen Richtung mit der gleichen Stärke. Für «dynamische» Einflüsse auf die Geschossflugbahn wird daher eher auf die Variante «Hold Off» zurückgegriffen. Ebenfalls beim schnellen beschiessen von mehreren Zielen in unterschiedlicher Entfernung bietet sich der «Hold Off» als bessere Option an.

Wie im Beispiel oben, wird in der Praxis in der Regel ein Mix aus beiden Varianten gewählt. Die Höhenkorrektur (Entfernung) sowie die statischen Seitenkorrekturen (Spin Drift) erfolgen über die Verstellung der Türme. Wind oder Bewegung des Zieles werden über das Absehen korrigiert. Eine Optik mit der beide Methoden ausgeführt werden können, ist für den Sniper sicher zwingend notwendig.

Fazit

Wie ein Sniper-Team in der Praxis zusammenarbeitet und welche Hilfsmittel dabei eingesetzt werden ist eine ganz individuelle Entscheidung. Wichtig ist jedoch, dass das Team die «gleiche Sprache spricht» und das Vorgehen sowie die eingesetzten Mittel von allen Teammitgliedern zu 100% verstanden und angewendet werden.

Mit diesem Beitrag wird die Themenserie «K31 Sniper» vorerst geschlossen. Wir hoffen, dass du den Beiträgen der beiden Serien «Ballistik des K31» sowie «K31 Sniper» einiges abgewinnen konntest und wir dich motiviert haben, etwas mehr aus deinem Karabiner 31 herauszuholen. Auch den etwas geübteren Schützen ist hoffentlich das ein oder andere wieder bewusster geworden, oder du fühlst dich motiviert deine Erfahrungen mit uns und den Lesern zu teilen – eine konstruktive E-Mail freut uns immer!

Den Einstieg erleichtern mit «nutzlosen» Vorlagen

Wir haben dir hier das «K31 Sniper Field Book» zum Herunterladen und üben bereitgestellt. Diese Vorlagen bieten dir ein erstes «Gefühl» für die Erstellung deines ganz persönlichen «Field Book». Du wirst über die Jahre deine ganz eigene Datensammlung und Vorlagen aufbauen und über diese Vorlagen nur noch lachen – das wünschen wir uns nicht, soll aber so sein. Schlussendlich geht es darum, dass du das für dich am besten geeignete Hilfsmittel findest, und nicht einfach Dritten alles nachmachst!

K31 Sniper Field Book zum herunterladen

MEN Sniper Line Handbuch (MEN – Metallwerk Elisenhütte GmbH, Nassau)


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