In der letzten Beitrags-Serie haben wir uns mit den ballistischen Werten unserer Systemkonfiguration sowie den dazugehörenden Einflussfaktoren beschäftigt. In den folgenden Beiträgen geht es primär um die zu erwartende Geschossflugbahn und deren Einflussfaktoren sowie die Berechnung der «Final Firing Solution».

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln rund ums Thema «K31 Sniper», der K31 als Scharfschützengewehr:

Entfernungsmessung mit Laser

Die wohl einfachste und zuverlässigste Methode um Entfernungen zu messen ist der Einsatz eines Laserentfernungsmessers. Aufs Ziel halten, Messung durchführen und Entfernung ablesen. Gut, dann ist das Thema ja erledigt! Nicht ganz. Ein Laserentfernungsmesser ist zwar ganz nützlich, aber nicht für alle Situationen geeignet oder nutzbar. Oder er kann im schlechtesten Fall ausfallen, genau dann, wann du ihn brauchst. Die Gründe warum dies passieren kann sind vielfältig. Keine Batterie mehr, eine zu wenig reflektierende Zielfläche, ungeeignete Lichtverhältnisse für die Reflektion, usw. Wir empfehlen daher in jedem Fall eine alternative Messmethode zu beherrschen.

In der Praxis wirst du als Schütze kaum eine Entfernungsmessung mit dem Laser durchführen und zugleich den Schuss auslösen. Nicht dass das unmöglich ist. Aber die Veränderung der Schiesshaltung und die Zeit bis du wieder «schussbereit» bist, wäre viel zu lange. Sehr wahrscheinlicher wird dein Team-Kollege (Spotter) die Entfernung mit dem Laser messen und dir direkt die notwendige Höhenkorrektur, oder mindestens die Distanz zum Ziel, mitteilen. Du solltest daher als Schütze in der Lage sein, eine Entfernungsmessung mit dem Absehen des Zielfernrohrs zu verifizieren oder selbständig durchzuführen.

Entfernungsmessung mit Absehen und MilDot Master

Die Entfernungsmessung mit dem Absehen, insbesondere in Verbindung mit einem MilDot Master, ist faktisch gesehen sehr einfach. Abdeckung des Ziels im Absehen ablesen, Schieber des MilDot Master auf die richtige Kombination (abgelesenes Resultat und Dimension des Zieles, das heisst Höhe ODER Breite) stellen und Entfernung ablesen. Als Alternativ zum MilDot Master kannst du die Entfernung mit folgender Formel auch errechnen:

Dimension in cm * 10 / Zielabdeckung im Absehen in MIL = Entfernung in Meter

Beispiel
200cm * 10 / 4mil = 500m bzw. 2m * 1000 / 4mil = 500m

In der Praxis wirst du jedoch schnell erkennen, dass die Distanzmessung mit dem Absehen Tücken hat. So ist die genaue Zielgrösse nicht immer bekannt, das eingesetzte Absehen lässt keine exakte Messung zu oder das Ziel ist in Bewegung und lässt sich nur schwer messen. Übung macht den Meister. Ein geübter Schütze muss nicht mehr rechnen, sondern kennt die Entfernung des Zieles sobald er dessen Abdeckung im Absehen erfasst hat – das gilt insbesondere, wenn er vorwiegend auf Ziele der selben Grösse schiesst.

Und wie geht man vor?

Als ersten Wert für die Entfernungsberechnung musst du die Zielgrösse kennen. Bei normierten Zielen, wie beispielsweise im Sportschiessen eingesetzt, ist das einfach – Breite und Höhe sind bekannt. Je nach Betrachtungswinkel kann es aber auch hier zu Fehlmessungen kommen – grundsätzlich gilt:

Immer die Dimension mit der geringeren «Verzerrung» messen.

Ist die Zielgrösse jedoch unbekannt oder basiert lediglich auf einem Richtwert, wie beispielsweise ein Fahrzeugrad, die Fahrzeughöhe oder ein Luftballon, gestaltet sich die Entfernungsberechnung zur Lotterie. Wir empfehlen daher möglichst viele unterschiedliche dieser «Referenzobjekte» zu messen und die Resultate zu protokollieren und einen geeigneten Mittelwert als Referenz zu bestimmen.

PRO-Tipp
Für die Entfernungsmessung in Verbindung mit einem Zielfernrohr empfehlen wir dir immer den Einsatz eines Absehens mit MIL-Skala (ausser deine Muttersprache ist natürlich englisch). Ob MilDot oder «Tannenbaum» spielt dabei keine grosse Rolle und sind abhängig von den Erfahrungen und der Präferenz des Schützen. Zwingend ist aus unserer Sicht jedoch, dass sich das Absehen in der ersten Bildebene (FFP) befindet. Alles andere macht auf Dauer nicht glücklich!

Keinen MilDot Master? Kein Problem! Hier kannst du den MilDot Master bestellen.

Entfernungsmessung mit Karte

Ist eine Karte der Umgebung vorhanden, kann die Entfernungsmessung auch damit erfolgen. Sind die eigene Position und die Position des Zieles bekannt, lassen sich damit Entfernungen sehr gut bestimmen. Wir setzen voraus, dass du des richtigen Kartenlesens mächtig bist und gehen daher nicht weiter darauf ein.

Mit einem GPS lassen sich Schiessposition (FFP, Final Firing Position) und, wenn vorgängig möglich, auch die Position des Zieles sehr genau definieren. Alternativ ist die Bestimmung der Positionen auch mittels Referenzobjekten (Haus, Weg, Fluss, Strasse, Senke, usw.) in der Umgebung möglich. Nicht vergessen: du hast auch noch das Absehen! Damit lässt sich ab einem verlässlichen Referenzobjekt ebenfalls die Distanz zum Ziel definieren. Und wenn du es etwas komplizierter magst – empfehlen wir dir die Triangulation (Trigonometrie)!

c = √a² + b² – 2ab * cos( γ )

In der Praxis kommt die Karte lediglich im Vorfeld für das Zeichnen des «Field Sketch» und das Ausfüllen der «Range Card» zum Zuge. So lässt sich zusammen mit dem Spotter vorgängig in Ruhe ein hilfreiches und verlässliches Werkzeug erstellen, das in der heiklen Phase gute Dienste leisten wird. Dazu aber später mehr.

TR und AHR – der Einfluss vom Neigungswinkel zum Ziel

Entfernung ist nicht gleich Entfernung! Was? Ist die Distanz zum Ziel gemessen, muss bestimmt werden um welche Entfernung es sich handelt. Wir unterscheiden zwischen True Range (TR) und Actual Horizontal Range (AHR).

True Range (TR) oder Line of Sight

True Range ist die effektive Distanz zum Ziel. Also die Entfernung welche vom Geschoss zurückgelegt werden muss. Die True Range erhalten wir bei folgenden Messmethoden: Laserentfernungsmesser und Messung mit Absehen.

Actual Horizontal Range (AHR)

Actual Horizontal Range ist die Entfernung zum Ziel, gemessen auf der gleichen Höhe, also unabhängig eines eventuellen Höhenunterschiedes zwischen Schütze und Ziel. Die Actual Horizontal Range erhalten wir bei folgenden Messmethoden: Messung mit Karte oder der Differenz zweier GPS-Positionen.

Klar ist die Sache, wenn sich der Schütze und das Ziel horizontal auf derselben Höhe befinden – ein Winkel zum Ziel ist dann nämlich nicht zu berücksichtigen. TR und AHR sind in diesem Fall identisch.

Was ist aber zu tun, wenn das Ziel oder der Schütze erhöht steht?

Bei einem Schuss bergauf oder bergab muss der Schütze die Einflüsse der Erdanziehungskraft auf das Geschoss ausgleichen. Sind die effektive Distanz zum Ziel (TR) und der Winkel auf/ab bekannt, kann man die «richtige» horizontale Entfernung (AHR) zum Ziel berechnen, die dann auch am Zielfernrohr eingestellt werden muss.

TR * Kosinus = AHR

Für die Bestimmung der korrekten Werte dient ein Neigungsmesser, wir empfehlen einen Kompass oder eine Bussole mit entsprechender Funktion, sowie ein definierter Standardwert – der Kosinus!

WinkelKosinus
00.00
100.98
200.94
300.87
400.77
500.64
600.50
700.34
800.17
900.00

Für was brauche ich dieses Wissen?

Das Wissen ist notwendig, um die richtigen ballistischen Basiswerte sowie die notwendigen Korrekturen der relevanten Einflüsse für die Entscheidungsfindung, die sogenannte «Final Firing Solution», zu bestimmen. So werden bei den verschiedenen Einflussfaktoren unterschiedliche Entfernungen (TR bei atmosphärischen Korrekturen oder AHR bei Gravitations-Korrekturen) referenziert. Nachfolgend die Auflistung der Einflüsse mit der entsprechend zu referenzierenden Entfernung.

EinflussfaktorEntfernung
Ballistischer BasiswertAHR
LuftdruckTR
Temperatur System und MunitionAHR
LufttemperaturTR
Vertikale CoriolisAHR
LuftfeuchtigkeitTR

Fazit – alles zusammengefasst

Das war viel Theorie! Schlussendlich und zusammengefasst geht es um zwei Fragen.

  1. Wie weit ist mein Ziel entfernt?
  2. Wie wird die Flugbahn meines Geschosses sein?

Sofern du alle Beiträge zum Thema Ballistik des K31 sowie diesen Beitrag gelesen hast, solltest du zu den beiden Fragen alle notwendigen Grundlagen kennen und in der Lage sein, den ersten Teil deiner «Firing Solution» – die Höhenkorrektur – zu bestimmen.

Achtung!
Je länger die Distanz zum Ziel oder je kleiner das Ziel ist, umso genauer muss die Entfernungsmessung sein um dieses bei eventuellen Messungsfehlern noch zu treffen. Das nennt man dann «Danger Space» – dazu aber später mehr.

Die Berechnung der zu erwartenden Geschossflugbahn

Wir haben dir hier noch einmal die «Function Tables» zum Herunterladen bereitgestellt und mit einem «Firing Solution» Formular ergänzt. Mit diesen beiden Hilfsmitteln, gepaart mit dem Wissen zu deren Anwendung, bist du in der Lage genaue und auch komplexere Entscheidungsfindungen für die Flugbahnkorrektur zu berechnen.

K31 und GP11 Functions Tables mit Firing Solution Form zum herunterladen


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