Entfernung messen, D.O.P.E. prüfen, Wind schätzen, Zielfernrohr indexieren… – wäre es nicht schön, wenn das Absehen im Zielfernrohr die ganze Rechenarbeit ersparen würde? Das haben wir uns auch gedacht und das Projekt «K31 DMR» ins Leben gerufen. Welche Erfahrungen wir gemacht haben und auf was für Herausforderungen wir dabei gestossen sind, erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist ein «K31 DMR» – die Projektziele

Designated Marksman Rifle (DMR) ist der englische Begriff für ein Selbstladegewehr mit Zielfernrohr und einem präzisen Lauf welches von speziell ausgebildeten und erfahrenen Schützen innerhalb einer Infanteriegruppe eingesetzt wird. In der Regel sind es modifizierte Ordonnanzwaffen, die darauf ausgelegt sind, die Gefechtsdistanz zwischen Sturmgewehren (bis 200 m) und dem Scharfschützengewehr (über 600 m) zu schliessen. Der Designated Marksman entspricht von der Konzeption her dem in der Infanteriegruppe eingebundenen Zielfernrohrschützen. (Wikipedia)

Soweit einmal die «offizielle» Erklärung. Das DMR-Konzept wurde durch das Militär ins Leben gerufen und ist ein Resultat aus dem Projekt «SASS» Semi Automatic Sniper System. Was war die Idee? Es sollte ein CQB taugliches Gewehr gefunden werden, dass in der Lage ist im Infanteriegefecht schnell und effektiv – für die Sturmgewehre nur schwer zu treffen – dedizierte entfernte Ziele zu bekämpfen. Dabei musste das Gewehr, im Falle eines Fehlschusses, in der Lage sein sofort korrekte Folgeschüsse zu platzieren.

Und warum jetzt K31-DMR? Ist ja gar kein Selbstladegewehr?

Projektziele

  1. Klärung ob der K31 die Anforderungen an ein DMR erfüllt
  2. Finden eines geeigneten Waffensetups
  3. Bestimmung des noch vertretbaren Gesamtgewichts
  4. Abdecken der Einsatzdistanz von 200 – 600 Meter
  5. Eignung als «One-Man-DMR»

Projektziel 1: Anforderungen an ein DMR

Selbstladegewehr für schnelle Folgeschüsse
CQB tauglich (führig und nicht zu schwer)
Effektive Einsatzdistanz von 200-600 Meter
Lauf ausgelegt auf Präzision
Montage einer Optik möglich
Effektive Patrone
Ordonnanzwaffe

OK, ein Karabiner 31 ist kein Selbstlader und erfüllt daher die wesentlichsten Anforderungen, schnelle Folgeschüsse und CQB-Tauglichkeit, nicht. Abgesehen von diesen beiden Kriterien schneidet der Karabiner 31 jedoch nicht schlecht ab. Zugegeben, ein Scharfschützengewehr erfüllt die gleichen Anforderungen und im Vergleich zu einem «designated» DMR sind doch einige Abstriche in Kauf zu nehmen. So etwa die «statische» Waffenergonomie und –konstruktion des Karabiner 31 welche den Anbau von nützlichem Zubehör wie Optiken oder Verbesserungen für die Schiesshaltung etc. doch etwas umständlicher gestalten.

Wir drücken beide Augen zu – schliesslich ist der Karabiner 31 unsere Passion und damit sollte Ansporn genug gegeben sein um die Herausforderung «K31 DMR» anzunehmen.

Projektziel 2: Finden eines geeigneten Waffensetups

Für das Waffensetup hatten wir zu Beginn des Projektes «K31 DMR» relativ klare Vorstellungen was genau an den Karabiner 31 angebaut werden sollte.

Optikmontage

Als Optikmontage haben wir eine Picatinny-Schiene am originalen Visierträger vorgesehen – System Wyssen Defense oder baugleich. Bekannte Probleme im Zusammenhang mit dieser Art der Montage sind der mehr oder weniger zuverlässige Hülsenauswurf sowie die damit verbundenen Einschränkungen bezüglich der Optikwahl. Dem Umstand geschuldet, dass bei den in dieser Form verbauten Picatinny-Schienen das Zielfernrohr baubedingt relativ weit vorne platziert werden muss. Diese Art der Optikmontage hat sich jedoch in den Jahren als die zuverlässigste und daher beste Variante herauskristallisiert.

Optik

Wie definiert, soll das Absehen die «Rechenarbeit» für den Schützen übernehmen. Es musste daher eine Optik mit entsprechendem Absehen, ein sogenanntes BDC-Absehen (Ballistic oder Bullet Drop Compensator), gefunden werden. Die meisten Rot-Punkt-Visiere scheiden daher gleich zu Beginn aus. Vertreter mit geeignetem Absehen sind zwar zu finden, können aber wegen dem baubedingt hohen Augenabstand nicht eingesetzt werden. Schnell war daher klar, dass die geeignete Optik in der Reihe von Zielfernrohren zu finden sein wird.

Klassisch wird das DMR mit einer variablen Optik mit einer Vergrösserung von 1- bis 6-,8- oder 10-fach ausgerüstet. Das gibt die höchste Flexibilität, sowohl im CQB wie auch in der angestrebten Einsatzdistanz von 200-600 Meter. Welche maximale Zoomstufe gewählt wird, soll jeder für sich selber entscheiden. Wichtig ist, dass auch auf kurze Distanzen schnell reagiert werden kann.

Nun ja, wir sprechen immer noch von einem Karabiner 31. Kurzdistanz ist daher nicht wirklich der Fokus und wir wollen uns auf sichere Treffer auch in der längeren angestrebten Einsatzdistanz und darüber hinaus konzentrieren. Grundsätzlich sollte der Zoombereich nicht mit höher als 1-fach beginnen. Da wir aber im Projekt «The-One-And-Only-Optic» ähnliche Ziele verfolgen, haben wir uns spontan für den Test einer Optik mit höherer Startzoomstufe entschieden. Unsere Wahl fiel auf das preisgünstige aber dennoch robuste Primary Arms SLx8 3-18X50 FFP ACSS HUD DMR 5.56. Es bietet ein Absehen das genau auf die Bedürfnisse eines DMR abgestimmt ist – warum sollte es also nicht auch für unser Projekt taugen.

Wangenauflage

Sobald auf dem Karabiner 31 eine Optik montiert wird, müssen wir uns auch um das Thema Wangenauflage kümmern. Schlussendlich kommt die Optik mindestens auf 6cm über der Laufseele zu sitzen. Ohne Wangenauflage ist ein korrektes Bild durch das Zielfernrohr nur mit der russischen «lege das Kinn auf den Schaft»-Technik zu realisieren.

Eine einfache Lösung ist das Beartooth’s Comb Raising Kit. Eher eine statische Lösung funktioniert aber ziemlich gut – fürs Erste muss das reichen. Alternativen wären auch die Sniper Schaftbacken-Erhöhung von Sportarms oder ein entsprechend modifizierter Schaft. Da fehlen uns jedoch die persönlichen Erfahrungen. Einige Wagenauflagen haben jedoch Einfluss auf die Riemenmontage oder im schlimmsten Fall auf das Repetieren – das ist sicher zu bedenken.

Riemen

Da der Karabiner 31 für das Projekt «K31 DMR» nur gering umgebaut wird, können die bestehenden Aufnahmepunkte für den Riemen verwendet werden. Wir haben uns zur Montage eines «K31 Gschwing Schling» Riemens entschieden. Damit könnte im Notfall auch freihändig, stabilisert durch den Riemen, geschossen werden. Für den gewählten Riemen wird jedoch eine dritte Riemenöse benötigt – da wir für die Aufnahme des Bipod sowieso eine Lösung benötigen, ist das also kein Nachteil. Alternativ lässt sich zum Beispiel auch ein Magpul 2-Point-Sling mit variabler Längenverstellung einsetzen – benötigt keine dritte Riemenöse.

Zweibein

Ein Zweibein empfinden wir für den «K31 DMR» als Muss. Schlussendlich liegt nicht überall ein Rucksack oder Sandsack am Boden um die Waffe aufzulegen. Und nach einem Sprint freihändig einen sicheren Treffer auf 600 Meter zu landen können wohl nur ganz wenige Menschen.

Leider sind da die Möglichkeiten aufgrund der fehlenden Picatinny-Schiene an der Unterseite sehr begrenzt. Grundsätzlich gibt es Möglichkeiten das Problem zu lösen. Beispielsweise die Zweibein-Montageschiene für K31 welche zwischen den beiden Schellen (Riemenschelle und Bajonettschelle) montiert wird oder den Bipod Adapter for Swiss K-31 Rifle von BadAce Tactical. Beide Lösungen sind nicht optimal, erfüllen aber grundsätzlich ihren Zweck.

Mündungsbremse

Um möglichst wenig am Karabiner 31 umbauen zu müssen und trotzdem den Rückstoss etwas zu dämpfen, haben wir uns für den Einsatz einer Clamp-On Mündungsbremse entschieden. Das hilft und verändert die Mündungsgeschwindigkeit nicht allzu stark. Positiver Nebeneffekt: wir müssen nicht auf das Korn verzichten!

Backup Sights

Da das Korn in der von uns gewählten Konfiguration unverändert bleibt, müssen wir uns lediglich um das Visier (Verlust infolge Picatinny-Montage am Visierträger) kümmern. Leider bietet keiner der Montagen-Hersteller eine in der Mitte gefräste Schiene als Alternative für das Visier an. Grundsätzlich kann aber über die Picatinny-Schiene das Korn genutzt werden und die Höhe passt nicht schlecht. Mit einem richtig angemalten farbigen Strich in der Mitte der Picatinny-Schiene lässt sich auch die richtige Seitenkorrektur «erahnen». Zugegeben sehr improvisiert, schlussendlich soll diese «Modifikation» aber auch lediglich als Backup fungieren.

Projektziel 3 + 4: Gesamtgewicht und Einsatzdistanz

Projektziel 3: Bestimmung des noch vertretbaren Gesamtgewichts

Klassische DMR Gewehre sind mit einem durchschnittlichen Gesamtgewicht zwischen 5-6 kg nicht «Leichtgewichte» und mit einer Länge von über 1 Meter auch nicht die kürzesten Infanteriewaffen. Auch unser «K31 DMR» entspricht in etwa diesen Durchschnittswerten.

Mit einem Basisgewicht von knapp über 4 kg liegt der Karabiner 31 eher im unteren Bereich der DMR Gewehre. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass noch einiges an Zubehör verbaut werden muss um an die «Picatinny-Monster» heranzukommen. Um all das beschriebene Zubehör an den Karabiner 31 anbauen zu können, wird schnell einmal ein Zusatzgewicht von einem halben bis einem Kilogramm erreicht – und das nur für die zusätzlichen Picatinny-Schienen. Damit entspricht der «K31 DMR» dann in etwa wieder dem Mittelfeld der üblichen DMR-Gewehre.

Projektziel 4: Abdecken der Einsatzdistanz von 200 – 600 Meter

Die geplante Einsatzdistanz von 200 bis 600 Meter stellt für den Karabiner 31 keine grosse Herausforderung dar. Mit dem richtigen Setup sind wir in der Lage konstante gute Treffer auf 700 Meter und weiter zu realisieren – nachzulesen in diesem Beitrag.

Projektziel 5: Eignung als «One-Man-DMR»

Schlussendlich ging es beim Projekt «K31 DMR» auch darum, herauszufinden ob sich der Karabiner 31 zu einem «One-Man-DMR» umbauen lässt. Was verstehen wir darunter? Der Schütze soll in der Lage sein selbständig mittels dem Absehen die Entfernung des Ziels zu bestimmen und ohne entsprechende Korrekturangaben eines Spotters dieses sicher und schnell zu treffen. Im Gegensatz zum Sniper-Team (Sniper und Spotter) ist der DMR-Schütze in der Regel innerhalb seiner Gruppe «auf sich alleine gestellt».

Aus Erfahrung lassen sich mit einem «Tannenbaum-Absehen» die Korrekturangaben des Spotters sehr gut und schnell umsetzen, ohne die Korrekturen mit den Verstelltürmen zu «indexieren». Wie verhält sich jedoch unser BDC-Absehen?

In der Theorie muss das Ziel lediglich an der der Entfernung entsprechenden Marke angehalten und mit den Windmarken die benötigte Windkorrektur vorgehalten werden – leider ist das nur Theorie! So verändert sich der Haltepunkt wesentlich durch die äusseren Wettereinflüsse und der damit verbundenen Abweichung zur «erwartenden» bzw. der im Absehen konfigurierten Flugbahn.

Beispiel

Die Waffe wurde bei 20°C, einem Druck von 940mbar und einer MV0 von 780m/s im Schiesskeller auf 200 Meter eingeschossen. Wir schiessen in den Bergen auf 1800müM bei 18°C und 840mbar. Unser Ziel liegt 580 Meter (TR) entfernt und wir schiessen 20° aufwärts, was einer AHR von ca. 545 Meter entspricht. Durch die geringere Luftdichte wird das Geschoss zusätzlich schneller und beim Anhalten zwischen der 500 und 600 Meter Marke werden wir das Ziel komplett überschiessen.

Damit ist klar – ein BDC-Absehen ist, ohne entsprechende Kenntnisse, nicht nutzbar! Ist das Projekt jetzt gestorben? Nein, so schnell geben wir nicht auf. Der Umstand, dass ein DMR-Absehen nur genutzt werden kann, wenn der Schütze alle möglichen Einflüsse selbständig «korrigiert» und bei der Bestimmung des richtigen Haltepunktes berücksichtigt, ist kein Hinderungsgrund lediglich eine nicht ganz einfache Herausforderung. Diese lässt sich aber nur mit viel Erfahrung und sehr fundierten Schussdaten zum entsprechenden Waffensetup meistern.

Wahl und Einschiessen des BDC – das grosse Problem

Aufmerksame Leser haben sich sicher schon gefragt, warum wir uns für ein DMR-Absehen entschieden haben, welches für die Patrone 5.56 konfiguriert ist. Naheliegender wäre für die GP11 doch ein BDC-Absehen in 308 gewesen? Grundsätzlich ja, leider sind die 308er-BDC für Mündungsgeschwindigkeiten berechnet, die weit über der einer GP11 aus einem Karabiner 31 liegen. Die theoretische Analyse verschiedenster Daten mittels Strelok haben uns daher zum 5.56er-BDC geführt – hier sollten mit dem entsprechenden Setup theoretisch stimmigere Resultate zu den vorgegebenen Haltemarken erreicht werden. Das ist aber wirklich nur Theorie!

Die Einschussdistanz für das Primary Arms SLx8 3-18X50 FFP ACSS HUD DMR 5.56 liegt bei 200 Meter. Ausser man besucht den Brünig Indoor, lässt sich ein Zielfernrohr im Schiesskeller nur durch einen berechneten Hochschuss auf 200 Meter einschiessen. Die Methode ist zwar gebräuchlich, aber wirklich nicht zu empfehlen. Denn auch hier gilt: die Umwelteinflüsse und die erzielte MV wirken sich erheblich auf die Berechnung des benötigten Hochschusses aus. Und wenn dieser bei 25m kaum feststellbar ist, ist die eigeschossene Waffe bei 200 Meter, geschweige denn bei 600 Meter, kaum mehr zu gebrauchen.

Fazit

Das beschriebene Waffensetup ist durchaus praktikabel und erfüllt grundsätzlich die Anforderungen an ein «nicht CQB, nicht Selbstlader»-DMR. Die Wahl eines BDC-Absehen ist für ein «One-Man-DMR» zwingend, gestaltet sich aber in der Praxis als grösste Herausforderung – knapp an der Grenze zum nicht erfüllten Killer-Kriterium für das Projekt. Wenn der Schütze sein Waffensetup und die daraus resultierenden Veränderungen bei den aktuellen Umwelteinflüssen kennt, ist ein BDC-Absehen grundsätzlich unschlagbar und bietet sehr viele Vorteile. Ist das nicht gegeben, ist jede Schussabgabe eine «Lotterie». Das K31-DMR-Setup empfehlen wir daher nur an sehr geübte Schützen, die wissen was sie tun!

Blenden wir unsere Passion für den Karabiner 31 aus und bewerten das Projekt lediglich auf Basis der erreichten Resultate, müssen wir leider festhalten, dass das Projekt «K31 DMR» nicht erfolgreich war. Zuviele Punkte sprechen gegen den Karabiner 31 als Basis für ein DMR. Besser wäre da wohl unser Sturmgewehr 57 geeignet – mit einem entsprechenden Umbau erfüllen wir mit dieser Basis klar mehr Anforderungen an ein DMR.